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Heinz Mack (*1931) - Dynmaische Struktur (1958)

Kunstharzfarben auf Nessel, 100 x 110 cm, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv. 2741

Heinz Mack gehört neben Otto Piene (1928–2014) zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe ZERO, die es sich ab 1957 zur Aufgabe machte, die Kunst in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg von politischen Ideologien zu befreien. ZERO setzte dafür kunstrelevante Zeichen unter starken materiellen und ideologischen Einschränkungen.

Mack wurde zu einer der Leitfiguren des Aufbruchs aus der Depression dieser Zeit. Sein Anspruch war es, mittels seiner Kunstwerke aus dem Geflecht internationaler Schuldzuweisungen, Wiedergutmachungsansprüchen und Isolation auszubrechen, für die er keine Verantwortung trug, die ihn und die Nachkriegszeit jedoch stark prägten.

In Auseinandersetzung mit der sogenannten „informellen Malerei“ und dem Tachismus, den er ablehnte, entwickelte Heinz Mack zwischen 1957 und 1963 seine Dynamischen Strukturen zunächst in der Malerei, später auch in Zeichnungen, Gips- und Metallreliefs. Aus dieser Reihe stammt auch das vorliegende Werk. Anstelle einer gegenständlichen Komposition besteht es aus einer parallelen Anordnung von einander ähnlichen, aber nicht identischen schwarzen Linienrastern, welche die gesamte Fläche ausfüllen. Ihre Darstellung scheint spontan, wie zufällig vom Künstler auf die Leinwand gebannt. Das annähernd quadratische Format verstärkt die irritierende Wirkung des Bildes. Die Oberfläche scheint zu oszillieren und hält so den Blick des Betrachters gefangen.

Ute Mack, die Frau des Künstlers, kommentiert: „Diese [die „Strukturen“] sind gegenstandsfrei und beschränken sich auf wenige Farben oder sind monochrom (einfarbig). Die Farbe zeigt eine rhythmische Struktur und die Überlagerung mehrerer Strukturen lässt eine Vibration, eine Schwingung für das Auge entstehen. Anstelle der Komposition tritt die Struktur.“

Die Grundidee von Macks Werken ist das Licht. Der Künstler hat es zum einzigen und alleinigen Inhalt seiner Kunst gemacht, da er es als Eigenschaft und Voraussetzung aller optischen Erscheinungen begreift. Er nimmt der Kunst ihre Gegenständlichkeit durch die Konkretisierung ihrer Erscheinung.

Die vom Künstler hervorgebrachte Anschaulichkeit ist demnach nicht die Eigenschaft der Dinge, sondern die „Eigenschaft des Auges“. So sind seine Werke ausschließlich in ihrer sinnlichen Gegenwart, aus dem Moment des Anschauens heraus, zu erfassen. Durch die vom Künstler festgelegte Konstellation, deren einziges konstantes Merkmal die ständige Veränderung ist, wird die Aufmerksamkeit des Betrachters nachdrücklich gefordert.

Heinz Macks Werk verkörpert das Thema der virtuellen Ausstellung Folge & Varianz in besonderem Maße: Jede seiner dynamischen Strukturen ist eine gleichbleibende, sich jedoch stetig verändernde Folge ihrer selbst. Es lassen sich Linien erkennen, die ähnlich, bei jeder Wiederholung dennoch ein wenig verändert, aufzutreten scheinen.

AL

Verwendete Literatur:

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