Sebastian Vrancx (1573–1647) - Überfall auf einen Geleitzug (1618)

Öl auf Eichenholz, 62,6 x 115,6 cm, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv. 2883

Auf dem Gemälde des flämischen Malers Sebastian Vrancx ist eine Schlacht im vollen Gange. Über die gesamte Bildfläche verteilt kämpfen Männer auf ihren Pferden in kleineren Gruppen. Einige Menschen wie Tiere liegen bereits tot oder sterbend am Boden, einige versuchen den Hufen der übrigen Pferde auszuweichen.

Zeittypisch teilte Vrancx sein Bild erkennbar in Vorder-, Mittel- und Hintergrund ein. Die einzelnen Kampfszenen, die zusammengenommen das Gemälde als Schlachtenbild charakterisieren, erscheinen wie gestaffelt und wirken damit konstruiert. Dieser Effekt wird durch die Ähnlichkeit der Gruppen, insbesondere aber durch die Gleichheit der Pferde verstärkt. Die Motive der steigenden sowie die nach vorne wegsprengenden Pferde, hat der Maler mehrfach verwendet. Die Posen der Tiere werden kaum sichtbar variiert, vielmehr erzeugt Vrancx die Lebendigkeit des Schlachtengetümmels durch Veränderung des Exterieurs der Pferde, ihrer Größe und ihrer Platzierung innerhalb des Bildes sowie ihrer Ausrichtung der Pferde. Ebenfalls bemerkenswert ist die Haltung der Ritter im Mittelgrund: So schwingen mehrere Kämpfer in der identischen Position ihr Schwert über den Kopf. Sebastian Vrancx hat diese besondere Art der Variation auch in vielen anderen Gemälden verwendet, so unter anderem in Die Schlacht von Leckerbeetje (1600).

Sebastian Vrancx gilt als der Begründer der flämischen Schlachtenmalerei und wurde damit bereits zu seinen Lebzeiten bekannt. Typisch für diese Form des Bildmotivs ist der Stellenwert der Landschaft mit ihren hügeligen grünen Flächen, die von kleinen Architekturen gesäumt wird. Im Vordergrund jedoch steht die lebendige Schlacht, bei der die gesamte Szenerie als heftige und scheinbar tumulthafte Auseinandersetzung gestaltet wird. Der einzelne Reiter und sein Schlachtross weichen optisch der reinen Masse zugunsten des stürmischen Schlagabtausches. Die Varianz erzeugt Vrancx mittels der leichten Veränderung von Position und Aussehen der Pferde, die in unregelmäßiger Folge wiederkehrend auf dem Bild verteilt sind.

Verwendete Literatur:

Weiterführende Literatur:

IMQ

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