David Teniers d. Jüngere (1610–1690) - In der Schenke (1648), Abendessen in der Scheune (1634), Dorffest (1648)

Öl auf Eichenholz, 65,5 x 100 cm; Öl auf Eichenholz, 46,5 x 63,5 cm; Öl auf Leinwand, 115 x 178 cm, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv. 1901, 193, 2700

Die Werke des flämischen Malers David Teniers dem Jüngeren wurden schon zu seinen Lebzeiten im Holland des siebzehnten Jahrhunderts hochgeschätzt. Die Ausgewogenheit der Kompositionen, abwechslungsreiche Figurengruppierungen, klare Struktur, strahlende Farben, Wechsel von Licht und Schatten sowie von Nähe und Ferne kennzeichnen seine Bilder. Auch Vielfalt und Varianz der Bildinhalte machen sein Œuvre für den Betrachter so interessant. Mit besonderer Vorliebe malte er Interieurs, Gasthäuser und Scheunen mit trinkenden, feiernden Bauern oder mit ungleichen Paaren sowie Dorffeste, bei welchen sich beispielsweise an Kirchweihtagen die Menschen versammelten und ausgelassen feierten. Der Blick auf seine Gemälde, die wir in unserer virtuellen Ausstellung präsentieren, offenbart dies.

Insbesondere an den in den Werken verteilten Stillleben wird seine Kunstfertigkeit bei der Wiedergabe von Gegenständen unterschiedlicher Materialität sichtbar. Teniers weiß ihre Stofflichkeit und ihr Wesen scheinbar mühelos darzustellen. Diese Stillleben-Elemente erfüllen eine kompositorische Funktion oder sind Träger symbolisch-emblematischer Bedeutungen.

So weisen das Reitzeug, zerbrochener Krug und die Kohlköpfe im Gemälde Das Abendessen in der Scheune, auf dem wir ein ungleiches Paar beim trauten Mahl sehen, auf das Erotische hin. Die erloschene Laterne in Anlehnung an das alte Sprichwort „Eine Frau ohne Ehre ist wie eine Lampe ohne Licht“ ist eine Andeutung auf die verlorene Jungfernschaft. Die mit Heu zugestopfte Kanne versinnbildlicht niederländische Redensart „Mit Heu bekrönen“ und steht für den Betrug. Hier wird der Betrug des Menschen an sich selbst gemeint, indem er sich von seinen Sinnen verführen lässt und sich dem flüchtigen Genuss hingibt. Die erloschene Kerze und die leeren Muschelschalen sind ein Verweis auf die Vergänglichkeit und Einfalt des unmoralischen Handelns. Innerhalb seiner Gemälde In der Schenke und Das Dorffest wird dem Stillleben-Arrangement eine Scharnierfunktion zuteil. Es verbindet die Teilszenen miteinander und fordert zum Blick in die Ferne, auf das weitere Geschehen, auf. Obwohl Teniers kein Stilllebenmaler im eigentlichen Sinne war, sind derartige Arrangements gleich einem Leitmotiv in seinem gesamten Werk zu finden.

Auf diese Weise entsteht eine Folge von Stillleben, die wir auf zahlreichen Gemälden von David Teniers entdecken können. Die jeweilige Zusammenstellung der Objekte differiert, doch es gibt auch einige Gegenstände, wie den Metallzuber oder die Tonkrüge, die nicht nur wiederholt dargestellt werden, sondern zuweilen auch vergleichbar positioniert sind. Für Teniers‘ Genrebilder sind diese Stillleben-Ensembles in ihrer Folge und Varianz charakteristisch.

NTW

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