Das Video ist aus lizenzrechtlichen Gründen leider nicht mehr verfügbar

Max Beckmann (1884 - 1950) - Großes Stillleben mit Kerzen und Spiegeln (1930)

Öl auf Leinwand, 72,5 x 140,5 cm, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv. 2435

Das Werk Großes Stillleben mit Kerzen und Spiegel entstand 1930 als Beckmann eine Professur an der Städelschule innehatte. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen blieb Beckmanns Stil auch nach dem ersten Weltkrieg figurativ.

Im Vordergrund stehen mehrere Objekte auf einer Kommode, über die ein rotes Tuch ausgebreitet ist. Darauf stehen zwei entzündete Kerzen, während eine dritte erloschen auf der Seite liegt, sowie ein bauchiges, mit einer Flüssigkeit gefülltes Gefäß, das jedoch keinen Verschluss hat. Dahinter lehnt ein Buch mit dem Titel EWIGKEIT an einem grün gerahmten Spiegel. Dieser gibt die Gegenstände und eine Tür auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers wieder. Der Maler selbst ist nicht zu sehen.

Insgesamt wirken die Objekte des Stilllebens seltsam gedrängt. Die dicken, schwarzen Konturlinien, die charakteristisch für Beckmanns Bilder in diesen Jahren sind, verstärken diesen Eindruck. Sie verleihen den einzelnen Gegenständen eine hohe Ausdruckskraft.

Augenscheinlich sind die erloschene Kerze, das halbvolle Gefäß sowie das Buch bzw. dessen Titel, aber auch der Spiegel im Sinne der barocken Vanitas-Symbolik als Verweise auf die Vergänglichkeit des irdischen Daseins zu verstehen. Auch der im Spiegel sichtbare, zur Seite gezogene Vorhang ist ein Motiv des 17. Jahrhunderts und passt zum Sujet. Die Erweiterung des Raums mittels eines Spiegels wendet Beckmann wiederholt an. 1

Auffallend am vorliegenden Werk, wie auch einigen anderen Gemälden des Künstlers, ist die Beschäftigung mit der Endlichkeit des eigenen Lebens einerseits und dem Lebenswillen des Malers andererseits.

Doch warum haben wir dieses Bild für unser Projekt ausgewählt? Beckmann wiederholt die Objekte seines Stilllebens mittels der Reflexion des Spiegels. Dabei erscheinen die Kerzen im Spiegel nicht in einer korrekten physikalischen Umkehrung, sondern der Betrachter sieht sie sowohl im Vordergrund wie auch im spiegelbildlichen Abbild scheinbar aus der gleichen Perspektive. Mit der umgestürzten Kerze variiert er dieses Motiv, das uns sonst als Folge erscheint. Bei näherer Betrachtung fällt zudem auf, dass sich das drapierte rote Tuch als detaillierte Variante im Vorhang wiederholt sowie der Spiegel seine veränderte Fassung in der gespiegelten Tür erfährt. Die Gegenstände des Bildes sind sowohl als Folge als auch als Variation ihrer selbst dargestellt.

Die vorliegende Wahl des Sujets und das beständige Wiederaufgreifen des Themas, welches der Künstler jedoch fortlaufend variierte, bezeugt, dass Max Beckmann sich in einer Tradition niederländischer und deutscher Malerei sah. 2

HE


  1. Matzner, Alexandra. „Max Beckmann. Die Stillleben. Magie der Realität“ in: Art in Words: https://artinwords.de/beckmann-stillleben/ (09.03.2018)
  2. Spieler, Reinhard. Max Beckmann 1884-1950. Der Weg zum Mythos. Köln 1994.

Verwendete Literatur:

Zur vorherigen Episode Zur nächsten Episode