Mathis Neithart Gothart (Grünewald) (um 1475/80–1528) - Die heilige Elisabeth von Thüringen, Eine unbekannte Märtyrerin (1509/11)

Grisaille, Tempera auf Tannenholz, 95,8 x 42,8 cm, 101,2 x 43,7 cm, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv. 2604, 2605

Grünewald gilt als einer der bedeutendsten deutschen Maler des 16. Jahrhunderts. Zu seinen Zeitgenossen gehört unter anderem auch Albrecht Dürer (1471–1528), mit dem er oftmals verglichen wird. In der Kunstgeschichte variiert der Name des Künstlers oftmals. So wird er in verschiedenen Quellen mal Meister Mathis oder auch Matthaeus von Aschaffenburg genannt. Heute gilt als gesichert, dass sein Name Mathis Neithart Gothart lautete1. Der Name „Grünewald“ ist übrigens auf die Recherchen des deutschen Malers und Kunsttheoretikers Joachim von Sandrart (1606–1688) zurückzuführen und hat sich seit dem 17. Jahrhundert erhalten.

Gemeinsam mit Dürer hat Grünewald die Ausarbeitung der Retabeln des sogenannten Heller-Altars übernommen. Die Tafeln wurden von Jakob Heller, einem Frankfurter Kaufmann, für die Dominikanerkirche in Frankfurt am Main in Auftrag gegeben.

Für den Altar arbeitete Grünewald die äußeren Flügel mit den Darstellungen der Heiligen Elisabeth und einer unbekannten Heiligen sowie des Heiligen Cyriacus und des Heiligen Laurentius2. Diese Tafeln rahmten die von Albrecht Dürer gemalten Bilder des Innenteils. Die beiden Frauen sind gänzlich in Grauabstufungen gemalt und vermitteln den Anschein, als seien sie Steinskulpturen. Sogenannte Grisaille-Malereien gab es bereits im 14. Jahrhundert, wie die eindrucksvollen Beispiele von Giotto di Bondone (um 1267–1337) für die Scrovegni-Kapelle in Padua zeigen. Grisaillen bestechen insgesamt durch die feinen Nuancierungen, deren Licht- und Schattenspiel die Figuren lebendig erscheinen lassen.

Grünewald zeigt die Heiligen in einer mit Pflanzenranken bewachsenen Rundbogenarchitektur. Bei der linken Heiligen handelt es sich um die Heilige Elisabeth von Thüringen, welche mit Brot in der rechten und einem Krug in der linken Hand gezeigt wird. Damalige Heilmittel wie Malve und Laubkraut sind am rechten unteren Bildrand zu erkennen sowie Blätter des Feigenstrauches über dem Rundbogen. Anhand ihrer Attribute und der gebenden Geste wird auf die Wohltätigkeit der Frau hingewiesen.

Die rechte Heilige hingegen wird aufgrund des Palmzweigs in ihrer rechten Hand meist als unbekannte Märtyrerin bezeichnet. Trotz weiterer Merkmale wie ihrer Jugend sowie die zu ihren Füßen wachsenden Heilkräuter und die nach oben abschließende Weinrebe, lässt sich die Figur nicht identifizieren. Auffallend bei beiden Frauen sind ihre fast identischen, gespiegelten Posen, die jeweils aufwendig gestalteten und in Fältelung vergleichbaren Kleider sowie ihre in die Nische des Rundbogens geworfenen Schatten. Diese Gemeinsamkeiten geben dem Betrachter das Gefühl einer Zusammengehörigkeit, oder auch einer Folge. Dennoch unterscheiden sich die dargestellten Figuren in ihrer Charakterisierung und variieren hierin. Während bei Elisabeth der karitative Charakter im Vordergrund steht, besticht die Unbekannte mit ihrer Attraktivität und Gelassenheit.

JM


  1. Arndt, Karl: „Mathis Neithart Gothart, genannt Grünewald, in seiner Epoche“. In: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Hg.): Grünewald und seine Zeit. Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. München/Berlin 2007. S. 19-29.
  2. Brahms, Iris: „Mit Licht gemalt und gezeichnet. Grünewalds Grisaillen“. In: Roth, Michael: Grünewald. Zeichnungen und Gemälde. Ostfildern 2008. S. 54- 61.
    Bildtitel: Hl. Cyriakus heilt die Tochter des Diokletian von der Besessenheit, um 1509/11, Tempera auf Tannenholz, 99,1x x 42,8 cm, Städel Museum, Inv. Nr. HM 37; Hl. Laurentius von Rom, um 1509/11, Tempera auf Tannenholz, 99,1x x 42,8 cm, Städel Museum, Inv. Nr. HM 36.

Verwendete Literatur:

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